„Ja“ zum Leben sagen

Ein paar Gedanken über den Willen zum Leben, die ich schon vor drei Monaten angefangen habe zu schreiben, aber nie zu Ende gebracht habe. Nachdem ich gerade wieder auf den Text gestoßen bin, habe ich mich entschieden ihn doch noch zu veröffentlichen.

Ich habe einmal gelesen, dass wenn man sich in einer Situation befindet, in der man Angst, Zweifel oder Widerstände hat, etwas zu tun, man darüber nachdenken soll was das Schlimmste sei, was passieren könnte. Meistens merkt man dann, dass der worst case gar nicht so schlimm ist und traut sich dann doch jemanden nach einem Date zu fragen oder den Chef um eine Gehaltserhöhung. Weil man weiß, dass sich die Erde immer noch drehen, das Herz immer noch schlagen wird.

Mein worst case war anders. Ich war zwar nie an dem Punkt an dem ich überzeugt war ich würde sterben. Doch es gab Momente an denen der Tod möglich schien – eine Option. Nicht die einzige, aber sie war da.

Ich glaube daran, dass jeder in jedem einzelnen Moment, bewusst oder unbewusst, Entscheidungen trifft, sich für oder gegen etwas entscheidet. Auch wenn es Momente gab in denen ich mich mit allen Kräften gegen meine Situation gewehrt und gesagt habe: „Ich will nicht mehr!“, habe ich mich letztendlich für das Leben entschieden.

Leben zu wollen, ist für mich auch eine Voraussetzung für Heilung. Wie soll man gesund werden, wenn man denkt es wäre einfacher zu sterben? Oder sich ständig im Kopf ausmalt was alles schlimmes passieren könnte?

Nun muss ich zugeben, dass ich selbst manchmal total anfällig für solche Gedanken bin. Wenn zum Beispiel irgendetwas körperlich nicht passt, dann gerate ich ins Schlingern. Oder Nachrichten wie die, dass es jemanden den ich in den vergangenen Monaten kennen lernte, wieder schlechter geht, werfen mich total aus der Bahn. Dann bin ich mir unsicher darüber, ob ich in Zukunft ohne Einschränkungen leben kann oder habe Angst habe die Krankheit und ihre Folgen nicht loszuwerden. Aber auch wenn ich mich nicht mehr bewusst daran erinnern kann, muss ich irgendwann die Entscheidung fürs Leben getroffen zu haben.

Während meiner Zeit in der Reha im März durfte ich viele positive Erlebnisse machen, wurde aber auch nochmal mit dem Thema Krankheit und Ängsten konfrontiert, von denen ich geglaubt hatte sie schon hinter mir gelassen zu haben. Oben drauf fing ich mir eine etwas hartnäckigere Erkältung ein und musste wegen einer Hautreaktion meine Cortison-Dosis wieder erhöhen. Deswegen fühlt sich die Reha gleichzeitig auch wie ein Rückschlag an.

Trotzdem: Ich will leben und gesund sein! Nur muss ich mir dessen manchmal immer wieder bewusst werden.

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